Artikel in der Zeitschrift CareInvest Ausgabe 20/2014

Drei Fragen an ...
Hartmut Joithe

Geschäftsführender Gesellschafter
Schwan & Partner GmbH
Oberhaching / München

Gründungsmitglied der Bayerischen
Landespflegesatzkommission

§ 87 b-Kräfte: Eine große Chance für Pflegeheime


1. Herr Joithe, sollten vollstationäre Pflegeeinrichtungen

jetzt mit den Planungen für die Neueinstellung von weiteren
Betreuungsassistenten nach § 87 b SGB XI beginnen?

Ja, denn zum 01.01.2015 werden mit großer Wahrscheinlichkeit
dafür die finanziellen Rahmenbedingungen durch das Pflege-
stärkungsgesetz geschaffen. Nachdem die Pflegekassen nur
Betreuungsassistenten akzeptieren und bezahlen werden, die
die Fortbildungsmaßnahme abgeschlossen haben, raten wir
allen Trägern von vollstationären Pflegeeinrichtungen, sich jetzt
auf den Weg zu machen.

2. Wie wird sich die Veränderung des Berechnungsschlüssels
von 1:24 zu 1:20 in den Unternehmen auswirken?

Nachdem der bisherige „Betreuungsschlüssel von 1 zu 24“ bisher
nur für BewohnerInnen mit attestierter eingeschränkter Alltags-
kompetenz umgesetzt werden kann und dies im Durchschnitt
nur bei 50-70% der BewohnerInnen festgestellt/beantragt
wurde, wird die angedachte Neuregelung fast zu einer
möglichen Verdoppelung der Stellen für Betreuungsassistenten
führen. Diese zusätzlichen Stellen geben Raum für neue Wege
hin zur Alltagsunterstützung durch Präsenzkräfte oder Alltagsbegleiter/
innen. Die Schaffung der alleinig pflegekassenfinanzierten
Betreuungsassistenten sind u.E. für alle Träger eine
große Chance, die Betreuungs- und Versorgungsqualität im
vollstationären Pflegebereich nachhaltig zu verbessern. Wenig
Verständnis haben wir für Einrichtungen, die bisher überhaupt
noch keine Betreuungsassistenten einsetzen.

3. Wie erfolgt die Refinanzierung der § 87 b Mitarbeiter?

Die Refinanzierung der 87 b-Kräfte erfolgt im Wege der Verhandlungen
mit den Pflegekassen. Die Schwan & Partner GmbH verhandelt jährlich
im Mandatsauftrag an die 300 Pflegesätze. Wir haben die erfreuliche
Erfahrung gemacht, dass die Pflegekassen allen Trägern, die die
konzeptionellen Hausaufgaben gemacht und den Nachweis der
fortgebildeten Betreuungsassistenten erbracht haben, natürlich auch
die tariflich vorgeschriebenen und prospektiv kalkulierten Durchschnitts-
personalkosten anerkennen. Bei der Kalkulation der Personalkosten
sollten die Träger der Einrichtungen die Karten transparent
auf den Tisch legen und sich der Plausibilitätsprüfung
der Pflegekassen stellen.

Bayernletter abonnieren

Möchten Sie den Bayernletter künftig regelmäßig erhalten oder weiterempfehlen?

E-Mail Hotline

Innerhalb von 48 Stunden...
...beantworten wir Ihre Fragen zu akuten Problemfällen mit konkreten Lösungsvorschlägen.
Selbstverständlich kostenlos und unverbindlich.